Der Begriff Resilienz ist seit einiger Zeit in aller Munde. Trainings und Vorträge rund um das Thema boomen. Wir alle wollen resilient werden, um nicht mehr so schnell aus der Bahn geworfen zu werden und um die Ups und Downs unseres Lebens leichter zu verkraften. Aber kann man Krisenresistenz wirklich lernen? Und: Wie hilft uns Resilienz im ganz normalen Arbeitswahnsinn? Auf der Suche nach Antworten habe ich mich intensiv mit der seelischen Widerstandskraft und dem Weg zur inneren Stärke beschäftigt. Autor: GF

Ich würde von mir behaupten, dass ich ein relativ resilienter Mensch bin. Wenn ich so auf mein bisheriges Leben zurückschaue – und da gibt’s schon ein paar Ereignisse, die ich durchaus als kritisch einstufen würde – muss ich sagen, dass ich mich irgendwie immer selbst wieder aufgerappelt und aus dem großen schwarzen Loch gezogen habe. Natürlich waren stets Familie und Freunde für mich da. Aber genau die oder besser gesagt „ein stabiles Netzwerk“ sind ja auch einer der sieben berühmten Resilienzfaktoren. Oft schon hab ich bemerkt, dass es nicht allen krisengebeutelten Menschen aus meinem Umfeld gleichermaßen leicht fällt, nach einem Tiefschlag wieder in die Hände zu spucken, die Ärmel aufzukrempeln und nach vorne zu schauen. Der Grund dafür liegt wohl u.a. in der individuell ausgeprägten Resilienz.

Resilienz, was ist das eigentlich?

Der Begriff Resilienz bedeutet flexibel, belastungs- bzw. widerstandsfähig und wird auch in der Werkstoffkunde verwendet. Dort spricht man von einem resilienten Stoff, wenn dieser nach einer Verformung (durch Druck oder Zug) wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrt.[1] Allgemeiner gesprochen beschreibt das Konzept der Resilienz die Fähigkeit, verschiedenste Belastungen auszuhalten oder auszugleichen, ohne Schaden davon zu tragen. Ich mag in diesem Zusammenhang besonders das Bild des Stehaufmännchens, das einfach nichts und niemand umhauen kann. Wer resilient ist, steht also fest auf beiden Beinen, ist gut verankert im Leben und kann flexibel agieren. Solche Menschen sind lernfähig, kreativ und können sich immer wieder neu ausrichten.[2]

Der Resilienz-Begriff wurde vor allem durch die Forscherin Emmy Werner geprägt. Sie fand in einer Langzeitstudie auf einer hawaiianischen Insel heraus, dass sich unter einer Gruppe von Kindern, die unter widrigen Bedingungen aufgewachsen waren, nicht alle zwangsläufig zu gewalttätigen oder emotional minderbemittelten Menschen entwickelt hatten. Über 40 Jahre hinweg hat sie beobachtet, dass es also nicht nur an unseren Genen liegt, ob wir ein Stehaufmännchen sind oder nicht. Sondern, dass wir mehr oder weniger resilient zur Welt kommen und unsere innere Stärke im Lauf des Lebens gezielt anstoßen und entwickeln können. Die gute Nachricht lautet also: Wir alle können Krisenresistenz noch erlernen. Die weniger gute: Es geht nicht von heute auf morgen.

 

Sieben Schlüssel zur inneren Stärke[3]

Aber was steckt denn nun eigentlich dahinter? Was macht innere Stärke aus? In der Literatur werden sieben (manchmal auch acht) Faktoren beschrieben, die einen resilienten Menschen ausmachen. Zunächst gehören da einmal drei Grundhaltungen dazu:

  • Akzeptanz: Es ist wie es ist.
  • Optimismus: Die Kraft der positiven Gedanken
  • Lösungsorientierung: Konzentration auf Dinge, die mich weiterbringen

Dazu kommen noch folgende Fähigkeiten:

  • Selbstwirksamkeit: Vertrauen in die eigenen Kräfte
  • Verantwortung: Die Opferrolle verlassen
  • Netzwerkorientierung: Wertvolle Beziehungen gestalten
  • Zukunftsorientierung: Aktiv und klar Ziele formulieren

Wer diese Grundhaltungen einnimmt und diese Fähigkeiten aktiv in seinem Leben einsetzt, kann herausfordernde Situationen, plötzliche Krisen und schwierige Phasen besser überstehen und immer wieder gestärkt daraus hervortreten.

 

Resilienz in der Burnoutprävention

Ich selbst habe das Thema Resilienz im Rahmen meiner Trainerausbildung kennengelernt. Damals ging es um Krisenprophylaxe und wie wir es schaffen können, uns von schweren Schicksalsschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Beispiele waren der Tod eines geliebten Menschen, ein Jobverlust oder ähnliches. Der große Boom rund um das Thema Resilienz wirft für mich nun die Frage auf, ob wir denn alle ständig von einer Lebenskrise zur nächsten wanken. Oder ob wir Resilienz – vielleicht etwas niederschwelliger betrachtet – zur generellen Lebensphilosophie machen können, um auch den täglichen Wahnsinn im Büro oder den Stress in der Vorweihnachtszeit besser aushalten können.

Ich persönlich finde es etwas übertrieben, Resilienz als Strategie zur Stressbewältigung einzusetzen. Dafür gibt es andere Methoden, die punktgenauer wirken können. Wenn wir aber von Burnout als Lebenskrise sprechen (und das ist ein Burnout bestimmt), dann macht es für mich absolut Sinn, Widerstandsfähigkeit aufzubauen und somit tiefgehend und ganzheitlich vorzubeugen. In einem meiner älteren Beiträge hier am Blog habe ich auch die These einer deutschen Ärztin eingebracht, dass Menschen vor allem deswegen ausbrennen, weil sie den Kontakt zu sich selbst verloren haben und nicht mehr mit ihrem Innersten im Dialog stehen. Und genau hier setzt auch Resilienz an: Es geht in erster Linie um eine Standortbestimmung, darum, seine eigenen Grenzen wahrzunehmen, sich zu überlegen: was kann ich gut, was bringt mich weiter. Ein Resilienztraining beschäftigt sich ganz intensiv mit dem eigenen Ich und aktiviert so auch jene Kräfte, mit denen wir uns an den eigenen Haaren wieder aus dem schwarzen Loch ziehen können.

Die Entwicklung von Resilienz und innerer Stärke wird also nicht nur mit der Vermittlung der sieben Schlüsselfaktoren angestoßen, sondern hat vorrangig ganz viel mit folgenden Themen zu tun:

  • sich selbst gut kennen,
  • mit sich und seinem Umfeld im Reinen sein,
  • alte Lasten, die Energie rauben, ablegen,
  • sich auf bisherige Erfolge besinnen und schlussendlich auch
  • dem Leben vertrauen.

Dass das nicht in einem zweitägigen Seminar zu lernen ist, sondern einen längeren Weg und intensive Beschäftigung braucht, ist einleuchtend.[4] Diesen Weg zu beschreiten, ist es meiner Meinung nach aber allemal wert.

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[1] Kéré Wellensiek, Sylvia; Galuska, Joachim (2014): Resilienz – Kompetenz der Zukunft. Balance halten zwischen Leistung und Gesundheit. Beltz Verlag. Weinheim und Basel

[2] Heller, Jutta (2013): Resilienz – 7 Schlüssel für mehr innere Stärke. Gräfe und Unzer Verlag GmbH. München.

[3] Heller, Jutta (2013): Resilienz – 7 Schlüssel für mehr innere Stärke. Gräfe und Unzer Verlag GmbH. München.

[4] Kéré Wellensiek, Sylvia (2011): Handbuch Resilienz-Training. Widerstandskraft und Flexibilität für Unternehmen und Mitarbeiter. Beltz Verlag. Weinheim und Basel.

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