Das Burnoutsyndrom, auch gerne als „Managerkrankheit“ bezeichnet, wird zunächst mit Überforderung und Stress im Beruf in Verbindung gebracht. Allerdings ist Überbelastung längst nicht mehr nur ein Thema, dass ausschließlich den Bürobereich betrifft. Mütter, die im Alltag Haushalt, Kinder, Partnerschaft und Karriere meistern sollen, gehen immer mehr an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. – Autor: CC

Die Hauptursache dafür sind Trends und Veränderungen von Familienstrukturen. Vor nur einer Generation, nämlich der meiner Eltern, war der Familienalltag noch stark von traditionellen Rollenbildern geprägt. Mütter die damals berufstätig waren, konnten zumeist auf Großeltern als Backup zurückgreifen. Der gesellschaftliche Wandel, die Globalisierung, die heutigen aktiven Pensionisten und der Wunsch der Frauen nach Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung, sind alles Gründe dieser verhältnismäßig raschen Veränderung dieses Rollenbilds.

Die moderne Frau von heute hat mindestens 2-4 Kinder, ist Mitglied im Elternverein, schraubt an ihrer Karriere, schmeisst den Haushalt und ist mondäne Gastgeberin, eine liebevolle Partnerin und natürlich die perfekte Mutter. Dabei geht es oft nicht nur um die finanzielle Sicherheit einer Familie, sondern auch um eine gesellschaftliche Erwartungshaltung. Man sollte so früh wie möglich wieder in den Beruf einsteigen und gleichzeitig Kinder und Familie nicht im Stich lassen. Kita-Plätze, Ganztagsbetreuung und Horteinrichtungen sind die Wünsche, die alle Herausforderungen lösen sollten.

Während ihre Kinder fremd betreut werden (Die Großeltern reisen gerade durch die Welt oder leben am anderen Ende derselben), sollte sie sich naturgemäß ohne schlechtes Gewissen und mit vollem Elan ihrer Karriere widmen. Davor und danach geht sie aber nicht auf das After-Work Bier oder in die Sauna, sondern sie wirft die Highheels in die Ecke um schnell wieder die Rolle zu tauschen. Sie muss und will ihre Kinder versorgen, sich Schulproblemen widmen, Aufmerksamkeit zeigen, etc. kurzum, die perfekte Mutter und im besten Fall auch Partnerin sein.

Aber wer sagt, dass man diesem Bild entsprechen muss? Die Frauenzeitschrift? Die Nachbarin?

Was hinter diesem Klischee verborgen bleibt, ist, dass eine Mutter in erster Linie ein Mensch ist, mit Schwächen, Fehlern, eigenen Bedürfnissen und auch mit schlechtem Gewissen, denn es schlicht nicht möglich gleichzeitig alles für den Job zu geben und für die Familie 100% da zu sein.

Was bringt nun Mütter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit?

Die 3 größten Belastungsfaktoren sind laut Deutschem Bundesverband für Burnout-Prophylaxe und Prävention: (1)

* der ständige Zeitdruck,

* die berufliche Anforderung und

* eine mangelnde Anerkennung

Dem hinzu kommen Fallen in die man selbst gerne tappt:

* Die inneren Stressantreiber:
Allen voran, der zu hohe Anspruch an sich selbst, perfekt sein zu müssen, oder der Drang jedem alles recht zu machen, beliebt zu sein oder immer noch mehr leisten zu wollen, nach dem Motto „streng dich an“. Um nur ein paar zu nennen.

* Sich keine Pausen gönnen:
Die vermeintliche Freizeit zu Hause stellt für viele eine noch größere Herausforderung dar als der eigentliche Job. Die romantischen Zeiten in denen die Kinder nachmittags die Schultasche in die Ecke warfen, um dann stundenlang mit Freunden irgendwo im Feld Kukuruz zu stibitzen oder helmlos und führerscheinlos Fahrrad zu fahren, sind vorbei. Die Mutter von heute organisiert Playdates, sitzt vor Schulbüchern, fährt die Kinder zu ihren Activities oder backt für die nächste Kindergarten-Veranstaltung einen Kuchen.

* Das Prioritätendilemma:
Nicht zuletzt kann auch das „schlechte Gewissen“ ein Auslöser sein, das Hamsterrad in Schwung zu bringen. Fragen, ob ihr das Kind bzw. das Baby im Job nicht fehle, oder ob auch noch genug Zeit für die Förderung des Kindes bleibe, für das Babyschwimmen, oder, was mir persönlich auch enorm wichtig ist, ob denn nicht die Vermittlung wesentlicher Werte verloren ginge bei der Fremdbetreuung, etc. reichen dafür schon aus. Und: Was wenn die Kinder krank sind? Abgesehen von der Medizin brauchen sie schließlich genau dann auch einfach nur die Mutter.

 

Welche Zeichen können als Warnsignal gedeutet werden?

Alle körperlichen und emotionalen Anzeichen, sollten grundsätzlich beobachtet werden.

Häufig sind Dauererschöpfung, das Gefühl alles sei zu anstrengend und die Tatsache, dass alltägliche Kleinigkeiten plötzlich zur Belastung werden, erste Anzeichen.

Ebenso wie ständige Müdigkeit oder Lustlosigkeit stark auf eine dauerhafte Belastung hindeuten können.

Die körperlichen Symptome zeigen sich dabei sehr individuell. Die eine reagiert mit Kopfschmerzen, die andere eher mit Bauchschmerzen oder Rückenleiden, etc. Am besten ist es, Veränderungen erst einmal wahrzunehmen und zu beobachten und nicht zu ignorieren.

Stellt sich Gleichgültigkeit bzw, Distanz im Beruf oder anderen Menschen gegenüber ein, ist höchste Vorsicht geboten, ebenso wie der Verlust von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder das Gefühl ständig zu versagen.

In jedem Fall ist es ratsam, sich präventiv damit zu beschäftigen, wie man mit den Herausforderungen im Beruf und im Familienalltag, besser umgeht. Und, dass man nicht davor zurückschreckt Hilfe anzunehmen, wenn die Herausforderung zu einer dauerhaften Belastung wird.

 

Was können Mütter tun um das Hamsterrad zu bremsen?

* Eine Hilfestellung, die verschrieben werden kann und meiner Meinung nach viel zu wenig beworben wird, ist die Möglichkeit eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen. Dabei handelt es sich um eine 3-wöchige stationäre Kur, die entweder als Vorsorge- oder als Rehabilitationsmaßnahme von der Krankenkassa bewilligt werden kann. Mehr Informationen dazu findet man unter anderem unter MUKIKU.at (2)

* Die eigenen Ansprüche überdenken. Es muss nicht immer alles perfekt sein.
Ich selbst zum Beispiel habe beschlossen, die Aktivitäten des Kindes einzugrenzen, denn wer sagt, dass aus jedem Kind ein Mozart, ein Rennläufer oder Tennisstar werden muss. Manchmal reicht vielleicht auch freies Spielen.

* Wie auch schon in meinem Artikel über den Stress mit dem Glück (3) erwähnt, keinesfalls sich selbst in Vergleich mit anderen stellen. Lieber auf die eigenen Prioritäten achten und die eigenen Grenzen erkennen.

* Pausen machen: Damit ist gemeint, sich Zeit für sich zu nehmen, aber keine vorgegebene, organisierte Zeit, sondern freie Zeit, selbstbestimmte Zeit, die Platz für Überraschung und Unvorhergesehenes schafft. Das bringt Freude!

* Die richtige Entspannung finden. Sich gutes tun. Jeder hat andere Vorlieben und Empfindungen, was einem guttut. Es muss nicht immer Yoga sein!

* Sich abgrenzen. Auch mal nein sagen und keine Brötchen für den Elternabend streichen oder ähnliches.

* mit den eigenen Kräften haushalten und Kraft tanken. Mütter geben viel, nehmen aber selten. Um die Batterien aufzuladen, kann es auch helfen einfach diese Balance wieder herzustellen, indem man einfach passiv genießt. Etwa eine Massage, oder eine Wellnessanwendung, Energy-Balancing, oder ähnliches. Einfach nehmen, statt geben.

* Lob annehmen und gegebenenfalls auch einfordern. Mangelnde Anerkennung führt zu Frustration und dem Verlust von Vertrauen an die eigenen Fähigkeiten. Vor allem hilft auch Lob für den Bereich, der außerhalb des messbaren Jobs liegt, der Familienalltag.

Der Seiltanz zwischen Beruf und Familie braucht ein Sicherheitsnetz. Und Betreuungsplätze alleine reichen dafür nicht aus. Verständnis und Anerkennung sind notwendig um das Gleichgewicht zu halten. Der gesellschaftliche Druck und der eigene Perfektionismus müssen manchmal ausgeblendet werden um den Fokus nicht zu verlieren. Denn alles was zählt, ist die Zufriedenheit, mit der die Mütter leichter balancieren.

Artikeldownload

 

(1) Burnout – Mütter in der Erschöpfungsfalle, (25.09.2014), in:
http://dbvb.org/burnout-–-mütter-in-der-erschöpfungsfalle

(2) MUKIKU, Mutter-Kind-Kuren in Österreich:
http://www.mukiku.at/mambo/index.php?option=com_content&task=view&id=4&Itemid=14

(3) Der Stress mit dem Glück: http://www.burnoutvermeiden.at/der-stress-mit-dem-glueck/

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