Burnout vermeiden

Stressbewältigung und Burnoutprävention

Kategorie: Soziales Umfeld und Burnoutprävention

Einsamkeit und Stress

Manfred Spitzer berichtet in seinem Buch „Einsamkeit“ sehr umfassend über Forschungsergebnisse zu diesem Thema. Demnach soll Einsamkeit nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes schmerzhaft sein, sondern auch Stress auslösen und dadurch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko verursachen. (1) Muss man nun vermeiden allein zu sein und was kann man dagegen tun sich einsam zu fühlen? – Autor: Gerd Schmid

Wenn ich ein Bild für einen Blogbeitrag aussuche, dann lasse ich mich gerne von Fotoportalen inspirieren. Das häufigste Motiv das nach Eingabe des Suchbegriffs „Einsamkeit“ erscheint, ist ein Mensch auf einer Bank im Park, im Wald oder in den Bergen. Auf mich wirken diese Bilder eher anziehend als abstoßend. „Einsam sein“ heißt für mich vielmehr von anderen Menschen fern oder ausgeschlossen zu sein. So kann es auch passieren, dass man sich einsam fühlt obwohl man von Menschen umgeben ist.
Einsamkeit ist demnach nicht immer zwangsläufig mit der Menge an sozialen Kontakten verbunden. Auch, wenn hier eine starke Korrelation besteht, kann sich auch jemand einsam fühlen, der in der Gesellschaft integriert ist und über viele soziale Kontakte verfügt. Umgekehrt kann auch jemand, der kaum soziale Kontakte hat, sehr gut damit zurechtkommen.

Was nun abgesehen von sozialer Isolation noch bewirkt, dass wir uns einsam fühlen, daran wird noch genauer geforscht. Ein Artikel auf scinexx.de sieht eine positive, stabile mentale Einstellung sowie emotionale Selbstkontrolle, Empathie und die Fähigkeit zur Selbstreflexion als wichtige Faktoren um nicht unter Einsamkeit zu leiden. (2) In diesem Beitrag wird auch von drei verschiedenen Lebensphasen gesprochen, in denen wir besonders anfällig für Einsamkeit sind: Ende 20, Mitte 50 und über 80 Jahre.

Mehr Stress und höheres Gesundheitsrisiko durch Einsamkeit

Wie bereits erwähnt, löst das Gefühl von Einsamkeit Stress im Körper aus. Das zeigt sich an einem erhöhten Cortisolspiegel. Über einen längeren Zeitraum hinweg verursacht dies einen höheren Blutdruck, ein geschwächtes Immunsystem und Schlafstörungen. (3) Spitzer geht in seinem Buch sogar soweit, dass er Einsamkeit als Todesursache Nummer 1 bezeichnet, was teilweise sehr kontroversiell aufgenommen wurde. (4) Muss man nun generell vermeiden allein zu sein und was kann man gegen Einsamkeit tun?

Arten von Einsamkeit

Zeit nur für sich zu haben, tut vielen und auch mir selbst gut. Pilgern, stille Tage im Kloster oder Meditation sind nicht umsonst so beliebt. Aber wie passt das mit dem oben gehörten zusammen? Einen Hinweis könnte ein Artikel zur Einsamkeit des Psychologen Godfrey Barrett-Lennard liefern. Er unterscheidet drei Arten von Einsamkeit (5):

  • Fehlender Zugang zu sich selbst, also eine Art innerer Einsamkeit
  • Wenig Kontakte zu anderen Menschen
  • Keine Gruppenzugehörigkeit

Ich interpretiere das so, dass beim Thema Einsamkeit auch der Kontakt zu sich selbst eine Rolle spielt. Gerade diesen Zugang kann man finden, wenn es gelingt, die Ablenkungen des Alltags auszuschalten, wie zum Beispiel beim Meditieren. Ich bin überzeugt, dass sich unter diesen Bedingungen das Allein-mit-sich-sein positiv auswirken kann. Wenn ich allerdings alleine einen Tag vor dem Fernseher verbringe, werde ich diesen Effekt nicht haben. Daher meine ich, dass allein sein nicht zwangsläufig dazu führt, dass ich mich einsam fühle.

Interessant am oben genannten Artikel vom Barrett-Lennard finde ich auch, dass er den Anschluss an Gruppen als wichtigen Faktor erwähnt. Einer Gemeinschaft anzugehören ist ihm zufolge ein Schlüsselfaktor für die Identifikation eines Menschen. Hier am Blog finden Sie dazu auch einen Beitrag wie Gruppenzugehörigkeiten sich positiv auf Stressbewältigung und Burnoutprävention auswirken können:
http://www.burnoutvermeiden.at/warum-uns-gruppen-und-gemeinschaften-staerken/

Was kann man gegen Einsamkeit tun?

Eine spontane Antwort auf diese Frage., was man gegen Einsamkeit tun kann, wäre vermutlich: mehr soziale Kontakte eingehen. Spitzer zitiert in seinem Buch allerdings eine Metaanalyse (eine Zusammenfassung mehrerer Studien), in der die Erhöhung sozialer Kontakte wenig bis gar nichts dazu beiträgt Einsamkeit zu reduzieren. Während soziale Unterstützung zumindest eine geringe Verbesserung bringt, scheint Psychotherapie, im Fall der Metaanalyse Kognitive Verhaltenstherapie, am meisten Abhilfe zu schaffen. (6)

Dies würde ich so interpretieren, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Themen bewirkt, dass ich zum einen besser mit dem Alleinsein zurechtkomme und zum anderen die Qualität der Beziehungen zu meinen Mitmenschen zunimmt.

In unserer Gesellschaft wird Einsamkeit ein immer größeres Problem. Studien belegen, dass immer mehr Menschen daran leiden. Das Beispiel Großbritannien, wo Teresa May eine Ministerin für das Thema Einsamkeit ernannt hat, zeigt, dass dieses Problem mancherorts schon sehr ernst genommen wird.

Artikeldownload

(1) Spitzer, M. (2018). Einsamkeit-die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich. München: Droemer Knaur GmbH & Co. KG

(2) https://www.scinexx.de/news/medizin/wann-fuehlen-wir-uns-einsam/

(3) https://www.swr.de/odysso/warum-macht-einsamkeit-krank/-/id=1046894/did=22438300/nid=1046894/1a4z3sz/index.html

(4) https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-04/psychologie-einsamkeit-manfred-spitzer-gefuehl-krankheit-alleinsein-isolation
(5) Barrett-Lennard, Godfrey T. (2001): Levels of loneliness and connection: Crisis and possibility – in Person 1/2001,Internationale Zeitschrift für Personzentrierte und Experienzielle Psychotherapie und Beratung, S58-64; Wien: Facultas – Verlags- und Buchhandels AG

(6) Spitzer, M. (2018). Einsamkeit-die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich, S194ff; München: Droemer Knaur GmbH & Co. KG

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Selbstfürsorge – Wie geht das?

Pass gut auf Dich auf! Sorge gut für dich selbst! – Diese und ähnlich Appelle bekommt man des Öfteren zu hören, besonders dann, wenn wieder mal alles zu viel wird. Aber was bedeutet „gut für sich selbst sorgen“, wie stelle ich das an und warum ist Selbstfürsorge ein wichtiger Schlüssel in der Burnoutprävention und Stressbewältigung? – Autor: GS

Wenn es in unserem Alltag turbulent wird, ist Selbstfürsorge besonders wichtig. Im Idealfall spüre ich meine Bedürfnisse und tue immer genau das, was ich brauche und was mir guttut. Leider geht dieses Gespür oft verloren, wenn der Stress überhandnimmt und insbesondere dann, wenn Menschen Burnout gefährdet sind. In solchen Fällen ist es ratsam, ganz bewusst auf seine Selbstfürsorge zu achten. Doch wie kann ich gut für mich sorgen? Entspannungsbad? Wellnessurlaub? Gut essen? Aus meiner Sicht sind folgende Punkte wichtig:

Gut für die Grundbedürfnisse sorgen

Selbstfürsorge fängt zuallererst bei den Grundbedürfnissen an, am wichtigsten ist:

  • gesund essen und trinken
  • ausreichend schlafen
  • regelmäßig Bewegung machen

Bei all diesen Punkten spielt aber ein Faktor eine wichtige Rolle: Die Regelmäßigkeit. Unser Körper stellt sich auf einen gewissen Rhythmus ein, die inneren Organe haben ihre Hauptarbeitszeiten. Deshalb unterstützen wir unseren Organismus, wenn wir regelmäßig essen, schlafen oder Bewegung machen.

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Der Stress, etwas zu verpassen

Die Angst etwas zu verpassen gab es wahrscheinlich schon immer. Durch E-mail, Internet und Social Media scheint sich aber diese Anlage zu verstärken: Wir können E-mails im Urlaub checken, von zu Hause aus arbeiten, uns auf Facebook über Unternehmungen unserer Freunde und (flüchtigen) Bekannten informieren und wir müssen schnell noch diese Reise buchen, weil es gibt ja nur noch wenige Plätze und viele andere User interessieren sich auch dafür. Woher kommt die Angst etwas zu verpassen, warum sind gerade junge Menschen gefährdet und was kann man dagegen tun? – Autor GS

Der Begriff FOMO (=Fear Of Missing Out) bedeutet Angst etwas zu versäumen und wird immer häufiger verwendet. Gerade das Internetzeitalter mit den beliebten Social Media Diensten bietet uns die Möglichkeit über scheinbar alles informiert zu sein, sei es im beruflichen Umfeld oder in der privaten Umgebung. E-mail, Facebook, Instragram, Twitter und Whatsapp geben uns das Gefühl, an der Gemeinschaft teilzuhaben und mit vielen Leuten in Kontakt zu stehen. Viele Menschen beklagen sich darüber zu viel Zeit dafür aufzuwenden und doch können sie davon nicht lassen. FOMO gab es aber auch schon vor dem Auftauchen der Social Media Dienste. Facebook & Co haben, so scheint es, diese Ängste nur noch verstärkt.

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Was tun, wenn nahestehende Menschen Burnout gefährdet sind?

Menschen, die nahe am Burnout sind, verleugnen zumeist ihr Leiden und verweigern jede Hilfe. Angehörige und Freunde sind bisweilen ratlos und geraten ihrerseits in einen gestressten Zustand. Doch wie verhält man sich am besten, wenn geliebte Menschen Gefahr laufen auszubrennen? – Autor: GS

Verleugnung der Probleme

Wer Burnout gefährdet ist, will meistens seine Probleme nicht wahrhaben. Gabriele Kypta meint sogar, dass Verleugnung das Hauptmerkmal von Burnout ist. (1) Da sich diese Menschen ihre Situation selbst nicht eingestehen, nehmen sie auch keine Hilfe von anderen an.

 

Verzweiflung bei Angehörigen

Freunde und Verwandte leiden oft mit, wenn sie die Veränderungen von Menschen sehen, die auf ein Burnout zusteuern. Dass ihre Angebote abgelehnt werden, frustriert sie zusätzlich. Oft kommt es dadurch zu einer Verschlechterung der Beziehung, weil auch die Betroffenen sich nicht verstanden fühlen. Es kann zu einer sogenannten abwärtsgerichteten depressiven Spirale kommen. (2)

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Warum uns Gruppen und Gemeinschaften stärken

Dass es im Sinne der Stressbewältigung und Burnoutprävention wichtig ist, ein gutes soziales Netz aufzubauen, weiß man weithin. Weniger bekannt ist, dass Gruppen und Gemeinschaften die Resilienz, in unserem Sinne also die Widerstandsfähigkeit gegen Stress, mehr stärken als Beziehungen und Freundschaften zu einzelnen Menschen. – Autor: GS

Mehr Lebenszufriedenheit durch Gruppen

Wieder einmal hat mich Psychologie heute inspiriert, diesmal das Heft Juni 2015. Im Artikel „Gemeinsam glücklich“ von Annette Schäfer werden zahlreiche Studien zitiert, die belegen sollen, dass uns Gruppenzugehörigkeit gut tut. Demnach zeigen Personen, die mehreren Gruppen angehören mehr Lebenszufriedenheit. Außerdem leben diese Menschen gesünder und neigen weniger zu Depressionen.(1)

Vorteile einer Gruppe

Bei näherer Überlegung erscheint mir das auch logisch. Einzelne Personen sind nicht immer verfügbar. Mal ist der Freund zu beschäftigt oder verreist, mal bewirkt ein kleiner Streit, dass man sich länger nicht sieht. Gruppentreffen, so wie der Stammtisch am Mittwoch Abend, finden auch statt, wenn der eine oder andere ausfällt. Zudem sind Gruppenzugehörigkeiten mit Regelmäßigkeiten verbunden. Auf meine Fußballrunde am Freitag Nachmittag habe ich mich immer die ganze Woche schon gefreut. So etwas gibt einem auch Stabilität.

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