Zu einem gesunden Lebensstil gehört neben Bewegung und ausreichend Entspannung auch eine ausgewogene Ernährung. Oft haben wir aber keine Zeit dafür. Gerade in stressigen Zeiten ist ein schnelles Weckerl vor dem Computer, ein Schokoriegel oder der Besuch im Fastfood-Restaurant für Viele die bequemere Alternative. Ich habe Ernährungswissenschafterin und Atemcoach Mag. Eva Grünauer zum Interview getroffen und sie gefragt, worauf wir in Sachen Ernährung achten sollten, wenn es wieder mal stressig wird.  – Autorin: GF

Gabriele Fischereder: Stress und Ernährung, wie hängen diese beiden Themen zusammen?

Eva Grünauer: Stress ist quasi das „Anti-Vitamin“ der Ernährung und viele ernährungsbedingte Probleme sind heute leider mit Stress in Verbindung zu bringen. In einer hektischen Situation sind alle unsere Körperfunktionen auf Kampf oder Flucht eingestellt. Da bleibt kaum Energie für die Verwertung von Mahlzeiten übrig.

Cortisol, das Stresshormon, verrückt zudem unsere Zeitwahrnehmung: Wir bekommen dadurch das Gefühl, als würde uns die Zeit davonlaufen. Das spüren wir auch bei Mahlzeiten. Stress oder erlebter Zeitdruck während dem Essen können unseren gesamten Organismus wesentlich beeinflussen.

Schnelles Essen – wie es viele von uns praktizieren – löst umgekehrt auch selbst eine Kaskade an Stressreaktionen im Körper aus. Dabei müssen wir uns persönlich gar nicht gestresst fühlen, alleine der schnelle mechanische Kauvorgang führt dazu, dass das Blut den Verdauungsorganen vier Mal weniger zur Verfügung steht als sonst. Daraus resultiert eine stark verminderte Verdauungskapazität, unser Essen bleibt sprichwörtlich im Magen liegen. Auch jene Enzyme, die für die Aufschlüsselung von Nährstoffen notwendig sind, sind in solchen Situationen um bis zu 20.0000-fach reduziert.

Gabriele Fischereder: Das heißt also, unsere Verdauung läuft im Stressmodus auf Sparflamme. Oft greife ich aber gerade dann zu kleinen Snacks am Schreibtisch. Ist das gut?

Eva Grünauer: Nicht wirklich – Multitasking und Essen vertragen sich eigentlich gar nicht gut. Wenn ich meine Nahrung nicht mit allen Sinnen wahrnehme, sondern nebenbei z.B. am Computer beschäftigt bin oder auf das Handydisplay schaue, besteht die Gefahr, dass ich deutlich zu viel esse. Besser also: Weg vom Schreibtisch und Zeit nehmen für eine richtige Mahlzeit! Den guten Duft einer zubereiteten Speise aufzunehmen, sie schön angerichtet am Teller vor mir zu sehen und mir wohlschmeckende Lebensmittel auf der Zunge zergehen zu lassen, das kurbelt unsere Verdauung so richtig an.

 

Gabriele Fischereder: Was hat es eigentlich mit dem sogenannten Brainfood auf sich? Gibt es wirklich Nährstoffe und Lebensmittel, die uns in stressigen Situationen besonders unterstützen?

Eva Grünauer: Im Grunde genommen, braucht unser Körper einfach natürliche Lebensmittel um auch für anstrengende Phasen optimal gerüstet und genährt zu sein. Welche das genau sind, das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Fakt ist aber, dass unser Körper auf echte Lebensmittel (im Vergleich zu Fertigprodukten) mit natürlichem Appetit reagiert und das verhilft uns wiederum zu mehr Wohlbefinden.

Natürlich sind Nüsse, Fisch und viel Gemüse – diese Dinge versteht man allgemein unter „Brainfood“ – gut für unser Gehirn und unsere Leistungsfähigkeit. Zum Entspannen nach einem langen, anstrengenden Tag dürfen wir uns aber auch mal unser vielleicht nicht ganz so gesundes Lieblingsgericht gönnen.

 

Gabriele Fischereder: Welche Tipps gibst du deinen Coaching-Klienten in Sachen Mahlzeitenplanung, wenn sie dir von Zeitdruck erzählen?

Eva Grünauer: Ich rate jedem dazu, trotz Zeitmangel möglichst regelmäßig und in Ruhe seine Mahlzeiten zu sich nehmen. Das schafft Routine und Entspannung und man steigert dadurch auch die Verdauungskapazität. Findet das Essen in einem so entspannten Rahmen statt, kann das Besteck währenddessen auch einmal weggelegt und tief durchgeatmet werden. Man nimmt dadurch deutlich mehr Sauerstoff auf, und das ist für den Verbrennungsvorgang der Verdauung ganz essentiell.

Wer keine Zeit und Gelegenheit hat, mittags groß aufzukochen, dem empfehle ich ein gutes Küchenmanagement, dh. schon am VorabendSpeisen zuzubereiten, die dann am nächsten Tag an den Arbeitsplatz mitgenommen werden können. Eine solche Mahlzeit kann dann ganz einfach im Büro aufgewärmt werden.

 

Gabriele Fischereder: Aber ist denn nicht immer die Rede davon, dass wir frische Lebensmittel zu uns nehmen sollen, gehen nachts im Kühlschrank nicht schon Vitamine verloren?

Eva Grünauer: Ja, das stimmt natürlich zum Teil. Aber am Vorabend frische und gesunde Lebensmittel zuzubereiten und diese dann am nächsten Tag stressfrei genießen zu können, ist immer noch besser als Mikrowellen-Fertiggerichte zu sich zu nehmen oder eine Pizza vom Lieferservice zu ordern. Und: Alle meine Empfehlungen hier richten sich an gesunde Menschen. Wer mit einer Unverträglichkeit, z.B. einer Histamin-Intoleranz zu kämpfen hat, dem ist natürlich eher abgeraten davon, Mahlzeiten längere Zeit aufzubewahren.

 

Gabriele Fischereder: Alles klar. Gibt’s noch einen Tipp wie wir Zeit sparen können in Hinblick auf unsere Mahlzeiten?

Eva Grünauer: Oft rege ich auch dazu an, mit Lebensmittel-Serien zu arbeiten. Damit ist gemeint, dass man eine Sorte saisonales Gemüse kauft und dieses dann über die Woche verteilt in unterschiedlichen Gerichten verarbeitet. So spart man Zeit beim Einkaufen und hat damit auch gleich mehrere Gerichte für die Woche am Plan. Spargel eignet sich z.B. dafür. Er hält sich wunderbar eine Woche lang, wenn man ihn in ein feuchtes Geschirrtuch einwickelt.

 

Gabriele Fischereder: Du bist ja auch Atemcoach: Was kann mein Atem zur Stressbewältigung beitragen?

Eva Grünauer: Der Atem kann uns zeigen, ob wir gestresst sind oder entspannt. Letzteres lässt uns frei und tief atmen und unsere Umwelt gut aufnehmen. Haben wir zu viel Druck, dann verengt sich das Atemmuster. Es gibt viele Atemübungen, mit denen man sich dann helfen kann.

Wenn wir außerdem versuchen beim Essen möglichst kohärent zu atmen, dh. dass wir gleichmäßig und gleich lange ein- wie ausatmen, dann fördert das die Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus. Unser Körper entspannt sich und damit können auch unsere Mahlzeiten gut verdaut und verwertet werden.

Gabriele Fischereder: Vielen Dank für das spannende Interview!

Portrait Eva

Mag. Eva Grünauer ist ganzheitlicher Ernährungscoach und Atemlehrerin in Ausbildung. Mehr Infos zu ihr und ihrem Tätigkeitsfeld finden sich auf www.eva-gruenauer.at. Wer sich Tipps rund um die Themen Stress- und Ernährungsmanagement holen möchte, kann das auch mit Hilfe des 4 Wochen Online-Trainings „LEIB UND SEEL‘“ (www.leibundseel.at) tun.

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